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Einführung der Bürgerversicherung bedeutet nicht mehr Wettbewerb

21.08.2013 - Einige Parteien sprechen darüber, nach der Wahl die Bürgerversicherung einzuführen. Die private Krankenversicherung würde damit abgeschafft werden, ohne dass die Fehlanreize im gesetzlichen System behoben wurden. Zu mehr Wettbewerb führt das nicht. Ein niedrigerer Beitragssatz und kassenindividuelle Zusatzprämien könnten an dieser Stelle sinnhafter sein.

Bürgerversicherung als Anreiz für mehr Wettbewerb

Die Befürworter der Bürgerversicherung behaupten, die Abschaffung der privaten Krankenversicherung (PKV) sei Voraussetzung für mehr Wettbewerb und eine solide Finanzierung des Gesundheitssystems. Doch die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) wird nicht dadurch effizienter, dass deren Fehlanreize auf bislang neun Millionen Privatversicherte übertragen werden.

Minusgeschäft bei Kostenübersteigerung

Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) bemerkt, dass die Hoffnung, sich mithilfe der vermeintlich gesünderen Privatpatienten zu sanieren, auf wackeligen Füßen steht. Sobald nicht erwerbstätige Ehepartner und Kinder in der GKV beitragsfrei mitversichert werden, können die Kosten der Versorgung leicht den Beitrag übersteigen. In der PKV sind für die mitversicherten Personen eigene Prämien zu zahlen. Das wäre ein Minusgeschäft für die gesetzliche Solidargemeinschaft.

Zusätzliche Bürokratie

Auch könnten nach Meinung des IW Köln die Kassenfinanzen nicht mithilfe der PKV-Versicherten saniert werden, weil nicht jeder Privatpatient zu den Besserverdienern gehört. Allein 47 Prozent sind Beamte, darunter auch Staatsdiener des einfachen und mittleren Dienstes. Außerdem wollen die "Bürgerversicherer" Beiträge auf bislang beitragsfreie Einkommensbestandteile erheben. Dazu müssen die Kassen jedoch zunächst Kenntnis über die Einkommen ihrer Mitglieder und beitragsfrei versicherten Angehörigen erlangen. Das verursacht zusätzliche Bürokratie, die nicht zuletzt der Beitragszahler finanzieren muss.

Wettbewerb erzeugen

Um mehr Beitrag in der GKV hervorzubringen, reiche es, das bestehende Beitragsrecht ernst zu nehmen. Würde beispielsweise der gesetzlich verordnete Beitragssatz zur GKV soweit sinken, dass die Kassen Zusatzprämien erheben müssen, dann haben die Versicherten einen Anreiz, sich die günstigste Versicherung auszusuchen. Zudem könnten die gesetzlichen Krankenkassen Tarife anbieten, bei denen die Versicherungsnehmer nur von ausgesuchten Dienstleistern versorgt werden Auf diese Weise käme der Preiswettbewerb auch in den Praxen und Kliniken an.

redaktionell verantwortlich: mittelstanddirekt